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Wie Sie gefälschte Behörden-Nachrichten und Behörden-Phishing entlarven

URLVIS Sicherheitsteam · Zuletzt aktualisiert: 26. August 2026

Behörden-Phishing und die Nachahmung staatlicher Institutionen gehören zu den gravierendsten Cyber-Bedrohungen in Deutschland. Kriminelle missbrauchen gezielt die amtliche Autorität von Institutionen wie dem Online-Finanzamt ELSTER, der Bundesagentur für Arbeit (Jobcenter), dem Bundeszentralamt für Steuern (BZSt), den Landesjustizbehörden oder den Rentenversicherungen. Durch gefälschte E-Mails, SMS oder betrügerische Anrufe (Call-ID-Spoofing) werden Bürger unter Druck gesetzt, vertrauliche Authentifizierungszertifikate, Steuer-Identifikationsnummern, Personalausweiskopien oder Kontoverbindungen preiszugeben. Die besondere Gefährlichkeit dieser Betrugsmasche resultiert aus dem Vertrauens- und Pflichtbewusstsein gegenüber dem Staat: Bürger sind es gewohnt, behördliche Schreiben fristgerecht zu bearbeiten, um rechtliche Nachteile, Bußgelder oder Leistungskürzungen zu vermeiden. Kriminelle konstruieren hochgradig plausible Szenarien — wie den angeblichen Ablauf eines ELSTER-Sicherheitszertifikats, die Notwendigkeit eines Datenabgleichs für das Bürgergeld oder die Ankündigung einer gerichtlichen Kontopfändung. In der Praxis unterscheidet sich die Vorgehensweise betrügerischer Akteure fundamental von echten behördlichen Verwaltungsverfahren in Deutschland. Weder das Finanzamt noch die Bundesagentur für Arbeit versenden unaufgefordert E-Mails mit anklickbaren Direktlinks zu Login-Formularen, auf denen Passwörter, PINs oder Zertifikatsdateien hochgeladen werden müssen. Rechtlich bindende Hoheitsakte wie Mahnbescheide, Pfändungsbeschlüsse oder Bußgeldbescheide werden in Deutschland ausnahmslos auf dem förmlichen Postweg per Zustellungsurkunde (im gelben Umschlag) oder über gesicherte behördliche Postfächer übermittelt. Die Folgen eines erfolgreichen Identitätsdiebstahls durch Behörden-Phishing sind weitreichend: Mit erbeuteten Steuerdaten und Ausweiskopien eröffnen Täter unbemerkt Online-Konten bei Neobanken, beantragen Kredite, leiten Steuerrückerstattungen auf fremde Konten um oder missbrauchen die Identität für betrügerische Warenverkäufe im Internet. Die wichtigste Grundregel im Umgang mit elektronischer Behördenpost lautet: Verlassen Sie sich niemals auf Links oder Rufnummern in empfangenen Nachrichten. Öffnen Sie die offizielle Behördenseite stets eigenhändig über ein Lesezeichen oder die manuelle Eingabe im Webbrowser und prüfen Sie dort im persönlichen Benutzerkonto, ob ein Vorgang vorliegt.

So erkennen Sie es

  • ELSTER versendet niemals Direktlinks zum Login: Offizielle E-Mails des Steuerportals informieren ausschließlich darüber, dass eine neue Nachricht in Ihrem Postfach bereitliegt — sie enthalten niemals anklickbare Links zur Eingabe von Zugangsdaten oder Zertifikats-Passwörtern.
  • Prüfen Sie die Domainendung: Echte Bundesbehörden und staatliche Organe nutzen Webadressen mit der Endung `.bund.de`, `.de` oder landesspezifische Subdomains (z. B. elster.de, arbeitsagentur.de, justiz.de). Betrüger verwenden Domains mit Bindestrichen und Zusätzen wie „elster-sicherheitsportal-online.de“.
  • Förmliche Zustellung per Post bei Gerichts- und Vollstreckungsakten: Echte gerichtliche Mahnbescheide, Vollstreckungstitel oder Pfändungsankündigungen werden in Deutschland niemals per einfacher E-Mail oder SMS zugestellt, sondern stets per Postzustellungsurkunde (gelber Umschlag).
  • Achten Sie auf unübliche Zahlungsmethoden: Staatliche Behörden fordern niemals Gebührenbegleichungen über Geschenkkarten (z. B. Apple, Google Play), Kryptowährungen oder Sofortüberweisungen auf ausländische Privatkonten.
  • Erkennen Sie aggressive Drohkulissen: Behauptungen, dass bei Nichtreaktion innerhalb weniger Stunden ein Haftbefehl vollstreckt, das Konto gepfändet oder das Bürgergeld komplett gestrichen wird, dienen der Ausschaltung Ihres logischen Urteilsvermögens.
  • Fehlende oder unplausible Aktenzeichen: Echte Behördenschreiben nennen konkrete Steuernummern, Kunden- oder Aktenzeichen, die Sie bei einer manuellen Kontaktaufnahme mit dem zuständigen Sachbearbeiter verifizieren können.
  • Unverschämte Datenabfragen: Formulare, die gleichzeitig Ihren Personalausweis-Scan, Ihre Steuer-ID, Ihr Bank-Login und Ihre Kreditkartennummer abfragen, sind eindeutig auf Identitätsdiebstahl ausgelegt.
  • Vorsicht bei gefälschten Telefonnummern (Call-ID-Spoofing): Erscheint im Display die 110, die Nummer des Bundeskriminalamts oder des örtlichen Finanzamts, kann diese Anzeige technisch gefälscht sein. Die echte Polizei ruft niemals unter der Notrufnummer 110 an.
  • Aufforderung zur absoluten Geheimhaltung: Wenn angebliche Beamte verlangen, dass Sie mit niemandem — auch nicht mit Angehörigen oder Ihrer Hausbank — über das „laufende Ermittlungsverfahren“ sprechen, handelt es sich um eine klassische Social-Engineering-Taktik.
  • Manuelle Gegenprüfung über offizielle Verzeichnisse: Suchen Sie die Telefonnummer der Behörde unabhängig im amtlichen Telefonbuch oder auf dem offiziellen Behördenportal und rufen Sie dort selbst an.

Beispiele aus der Praxis

Die folgenden Beispiele dienen nur der Veranschaulichung. Sie beziehen sich auf keine reale Person, Marke oder Organisation und dienen ausschließlich der Darstellung des Betrugsmusters.

Gefälschte ELSTER-Zertifikatsaktualisierung per E-Mail

Fiktives Beispiel — Mein ELSTER Sicherheitsportal: Ihr ELSTER-Zertifikat läuft in 48 Stunden ab. Um den gesperrten Steuerzugang zu verhindern und Gebühren zu vermeiden, erneuern Sie Ihre Authentifizierung unter mein-elster-zertifikat-update.example.

Gefälschter Datenabgleich der Bundesagentur für Arbeit

Fiktives Beispiel — Bundesagentur für Arbeit: Dringende Überprüfung Ihrer Stammdaten für die Auszahlung des Bürgergeldes. Bestätigen Sie Ihre Identität und Bankverbindung unter arbeitsagentur-portal-service.example bis zum 28. des Monats.

Gefälschte Identitätsprüfung des Bundeszentralamts für Steuern (BZSt)

Fiktives Beispiel — BZSt Informationsdienst: Im Rahmen des automatischen Datenabgleichs wurde eine Abweichung Ihrer Steuer-ID festgestellt. Laden Sie Ihren Personalausweis unter bzst-steuerabgleich.example hoch, um ein Ordnungsgeld abzuwenden.

Gefälschter gerichtlicher Mahnbescheid per E-Mail

Fiktives Beispiel — Zentrales Mahngericht: Im Vollstreckungsverfahren AZ-88421 liegt ein Pfändungsbeschluss vor. Begleichen Sie die ausstehende Forderung von 384,50 € sofort unter justiz-online-mahnbescheid.example zur Abwendung der Kontosperre.

Meldestellen

  • Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI / Bürger-CERT): Melden Sie Angriffe auf IT-Sicherheit, Phishing und Identitätsdiebstahl direkt an das CERT des Bundes.
  • ELSTER Sicherheitsportal (Finanzverwaltung): Informieren Sie sich über aktuelle Phishing-Wellen im Namen der Steuerverwaltung und melden Sie verdächtige Mails.
  • Verbraucherzentrale (Phishing-Radar): Warnungen vor aktuellen Behörden-Phishing-Kampagnen und bundesweite Beschwerdestelle.
  • Polizei-Beratung & Internetwachen der Bundesländer: Erstatten Sie Strafanzeige wegen Amtsanmaßung und versuchtem Computerbetrug bei der Polizei.

Häufige Fragen

Versendet ELSTER jemals Steuerbescheide oder Zahlungslinks per E-Mail?

Nein. Das Finanzamt und ELSTER versenden niemals Steuerbescheide oder Zahlungsaufforderungen im Volltext oder als anklickbare Links per E-Mail. Sie erhalten lediglich eine rein informative Benachrichtigung, dass im geschützten Portal ein neues Dokument zum Abruf bereitsteht. Um diesen Bescheid einzusehen, müssen Sie sich eigenhändig unter www.elster.de mit Ihrer Zertifikatsdatei und Ihrem Passwort einloggen.

Wie stellt die Justiz in Deutschland Mahnbescheide und Gerichtspost rechtssicher zu?

In Deutschland werden Mahnbescheide, Pfändungsbeschlüsse, Vorladungen oder Vollstreckungsankündigungen den Bürgern fast ausnahmslos förmlich per Postzustellungsurkunde (gelber Briefumschlag mit Datumsvermerk des Zustellers) übermittelt. Ausnahmen im digitalen Rechtsverkehr gelten nur für registrierte Nutzer mit speziellem Behördenpostfach (z. B. beA oder mein Unternehmenskonto). Eine Benachrichtigung per gewöhnlicher E-Mail oder SMS mit Link zur Sofortzahlung existiert im deutschen Zivilprozessrecht nicht.

Was muss ich tun, wenn ich meine Steuer-ID oder Ausweisdaten auf einer Phishing-Seite eingegeben habe?

Erstatten Sie unverzüglich Strafanzeige bei der Polizei wegen Identitätsdiebstahls. Informieren Sie Ihr zuständiges Finanzamt und Ihre Hausbank, da Kriminelle mit diesen Daten versuchen könnten, unberechtigte Konten zu eröffnen oder Steuererstattungen umzuleiten. Beantragen Sie bei Ihrer zuständigen Meldebehörde (Bürgeramt) gegebenenfalls die Sperrung der Online-Ausweisfunktion (eID) Ihres Personalausweises.

Wie verhalte ich mich bei Anrufen angeblicher Bundespolizisten oder Staatsanwälte?

Legen Sie sofort auf! Echte Polizeibeamte oder Staatsanwälte fordern Bürger am Telefon niemals zur Übergabe von Bargeld, Wertsachen oder zur Vornahme von Testüberweisungen auf. Rufen Sie die örtliche Polizeidienststelle über die reguläre Festnetznummer (nicht über die Wahlwiederholung) an und schildern Sie den Vorfall.

Können Telefonnummern von Bundesbehörden auf dem Telefondisplay gefälscht werden?

Ja, durch das sogenannte Call-ID-Spoofing können Täter über Internettelefonie (VoIP) jede beliebige Rufnummer auf Ihrem Display anzeigen lassen — inklusive der Rufnummer 110 oder Durchwahlen von Bundesministerien. Verlassen Sie sich niemals auf die angezeigte Nummer.

Warum fordern Behörden-Phishing-Mails häufig Zertifikats-Passwörter an?

Mit der Kombination aus Ihrer ELSTER-Zertifikatsdatei und dem dazugehörigen Passwort erhalten Angreifer vollen Zugriff auf Ihre steuerlichen Daten, historische Erklärungen, Bankverbindungen und Einkommensnachweise. Damit können Täter im großen Stil gefälschte Steuererklärungen mit hohen Erstattungsbeträgen auf eigene Auslandskonten einreichen.

How This Guide Was Prepared

This guide was compiled from publicly available fraud-reporting sources and URLVIS's own multilingual risk taxonomy; an AI-assisted draft was reviewed before publication. It is for general information only and is not legal or financial advice. Spotted an error or outdated detail? Report it to [email protected].